Fritz Schumacher

Fritz Schumacher.

karte

Schumachers Hochbaukarriere

Der Achitekt und Stadtplaner Fritz Schumacher, geb. am 04. November 1869 in Bremen, wurde 1909 zum Baudirektor von Hamburg berufen. Er prägt in diesem Amt bis 1933 maßgeblich die städtebauliche Entwicklung der Hansestadt. Dem 'Neuen Bauen' verpflichtet, leitet Schumacher die Errichtung mehrerer Großsiedlungen, wobei er besonderen Wert auf funktionales Wohnen legt. Im übrigen macht Schumacher sich einen Namen, durch seine Entwürfe und öffentlichen Bauwerke, indem er als Baumaterial den 'roten Backstein' verwendet.

neubaugebiet

Dulsberg-Siedlung um 1930
im Vordergrund die Schule Ahrensburger Straße

den nachfolgenden text gibt es auch als download :  f_schu.zip


Fritz (Friedrich Wilhelm) Schumacher

1869 - 1947

Biographie

Fritz Schumacher wurde am 4.11.1869 in Bremen geboren. Die Familie Schumacher war dort seit dem 15. Jahrhundert als Kaufmanns- und Ratsherrenfamilie bekannt. Seine Kindheit verbrachte Fritz Schumacher in Bogotá (1872-74) und in New York (1875-83). Von 1883-89 besuchte er dann das Alte Gymnasium in Bremen. Das Studium absolvierte Fritz Schumacher 1889-96 an verschiedenen Universitäten, Technischen Hochschulen und Kunstakademien in Berlin und Müchen. Zunächst belegte er die Fächer Mathematik und Naturwissenschaften, wechselte jedoch bald zur Architektur und studierte u. a. bei Friedrich von Thiersch. Nach dem Studium war Schumacher kurze Zeit angestellt im Architekturbüro von Gabriel von Seidl in München. Hier arbeitete er am Bau des Bayerischen Nationalmuseums mit. Noch 1896 erhielt er eine Anstellung als Architekt im Stadtbauamt Leipzig, welches unter der Leitung von Hugo Licht stand. Der Aufgabenbereich Schumachers beinhaltete die gesamte Palette der städtischen Bauaufgaben. Er wirkte u. a. am Neubau des Leipziger Rathauses und an der St. Johanniskirche mit. Studienaufenthalte führten ihn nach Paris, Rom, London, in die Niederlande und nach Belgien.
Neben der Architektur galt Schumachers Interesse dem Theater. Dies dokumentiert sich in einem von ihm verfaßten Theaterstück mit dem Titel "Phantasien in Auerbachs Keller", welches 1899 im Carola-Theater in Leipzig uraufgeführt wurde (Kritiken sind leider nicht überliefert!). 1901 erhielt Schumacher die Berufung an die Technische Hochschule in Dresden. 1903 erfolgte die Ernennung zum ordentlichen Professor und 1906 die Umwandlung des Lehrauftrages zu einer Professur für Entwerfen. Schumachers Lehre behandelte die Innenarchitektur, Stillehre des Kunstgewerbes und die Bauformen der Antike. Außerdem bot er Übungen im Freihandzeichnen an. Zu seinen Zeichenschülern  zählten die Architekturstudenten und späteren Brücke-Künstler Fritz Bleyl, Erich Heckel und Ernst Ludwig Kirchner. An Bauten dieser Zeit sind neben mehreren Villen und Landhäusern in Berlin, Bremen, Lüneburg und Seeheim vor allem die Handelsschule in Leipzig (1908), das Krematorium in Dresden (1908-12) sowie der Ausbau des Bautzener Domes zu nennen.
Schumacher zählte neben Hermann Muthesius, Friedrich Naumann und Henry van de Velde zu den Mitbegründern des deutschen Werkbundes, er hielt die Eröffnungsrede zur Gründungsversammlung (5.-7.10.1907).
1908 inszenierte Schumacher den "Hamlet" am Dresdner Schauspielhaus. Die Aufführung wurde seinerzeit als "künstlerisches Ereignis ersten Ranges" hochgelobt. Am 1.9.1909 erfolgte die Berufung zum Baudirektor und Leiter des Hochbauwesens der Freien und Hansestadt Hamburg. In seiner Architektur übernahm Fritz Schumacher nach dem Wechsel nach Hamburg die lokale Tradition des Backsteinbaus. Allerdings führte er die Verwendung von farbiger Keramik, Ziegelformsteinen und Bildhauerarbeiten sowie der Malerei als architektonische Elemente ein. Die Formensprache der ersten Hamburger Bauten war noch von der Tradition des 19. Jahrhunderts und seinen Erkenntnissen aus Dresden geprägt, was sich in einem verhaltenen Historismus äußert. Die bedeutendsten Bauten dieser Zeit sind das Johanneum (1912-14), das Museum für Hamburgische Geschichte (1914-23), die Kunsthochschule Lerchenfeld (1911-13) und das Tropeninstitut (1910-14). Die Reduzierung Schumachers auf seine erste Hamburger Schaffensphase hat lange Zeit dazu geführt, daß Schumacher als Konservativer oder Heimatstilarchitekt geführt wurde. Der 1. Weltkrieg unterbrach Schumachers Tätigkeit in Hamburg, er wurde in den Dienst der obersten Heeresleitung gestellt und in Belgien, Rumänien und Polen eingesetzt. Nach dem 1. Weltkrieg  wandelte sich Schumachers Stil unter den neuen gesellschaftlichen und ökonomischen Bedingungen. Schumacher wendete sich einer klaren Formensprache zu, verzichtete auf historisierende Elemente und fand mehr und mehr zur Formensprache des Neuen Bauens. Lediglich am Baumaterial Klinker hielt er fest. Die Volksschule Ahrensburger Straße (1919-23) deutet diese Wende bereits an. In der Folge entstanden Bauten, die durchaus als Backsteinmoderne verstanden werden können, Beispiele sind die Volksschule Langenfort (1927-29), die Volksschule an der Adlerstraße (1929-31), die Feuerwache Veddel (1927-28) und als konsequentester Bau die Volksschule Wendenstraße (1928-30).
1920 inszenierte Schumacher wieder, diesmal "MacBeth" für das deutsche Schauspielhaus in Hamburg. Auf Anfrage des Kölner Oberbürgermeisters Konrad Adenauer wurde Fritz Schumacher 1920 für drei Jahre von der Hansestadt Hamburg beurlaubt, um die Umsetzung seines gewonnen Wettbewerbs zur Gestaltung des ehemaligen Inneren Festungsrayons von Köln in einen Bebauungsplan zu leiten. Nach seiner Rückkehr in den Hamburgischen Dienst 1923 setzte er durch, daß in der Hochbauabteilung eine Abteilung Städtebau eingerichtet wurde. Diese nutzte er dann, um städtebauliche Projekte wie die Hafensiedlung Veddel (1926-28), die Jarrestadt (1927-30) und das Kontorhausviertel mit dem Chilehaus von Fritz Höger umzusetzen. Die Gründe für Fritz Schumachers Entlassung 1933 sind bis heute nicht einwandfrei geklärt. Die bevorzugte Variante lautet, daß er von den Nationalsozialisten aus dem Amt entfernt wurde. Andererseits gibt es Hinweise, daß Schumacher die Schwierigkeiten, die er mit den neuen Machthabern bekommen würde, voraussah, und deshalb um seine Pensionierung ersuchte. Bis 1943 lebte Schumacher in Hamburg und publizierte seine Erkenntnisse zu Architektur und Städtebau. Bauten aus dieser Zeit sind nicht bekannt. Die Zerstörung Hamburgs, von der auch viele seiner Bauten betroffen waren, war für Schumacher eine schmerzliche Erfahrung. Er verlegte seinen Wohnsitz nach Lüneburg. Hamburg besuchte er nur noch wenige Male. Fritz Schumacher starb am 5.11.1947 in einem Krankenhaus in Hamburg.


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